60 Millionen Euro - damit ist der Porsche-Chef Wiedeking der Spitzenverdiener unter Deutschlands Managern. Doch nicht nur bei ihm werden die Taschen immer voller - insgesamt gibt es in den Vorstandsetagen enorme Einkommenssteigerungen. Nicht jedoch bei den Mitarbeitern - viele von ihnen bangen um ihren Arbeitsplatz. Und so gibt es nach der Debatte um den Mindestlohn nun zahlreiche Stimmen, die einen Höchstlohn für Manager fordern.

Bei ihren zahlreichen Empfängen gibt es Champagner statt Selters, Häppchen statt Hartz. Gier bestimmt das Geschäft der Manager - so lautet das Klischee. Doch viele haben dies längst bestätigt, so wie Klaus Esser: Er hat den Konzern Mannesmann verloren, selbst dabei aber 30 Millionen Euro gewonnen. Und Daimler-Boss Jürgen Schrempp hat 40 Milliarden Kapital vernichtet, aber selbst 50 Millionen kassiert. Falls er wirklich eine Strategie hatte, dann wohl nur für sich selbst.
Beim CDU-Parteitag zeigte sich die Kanzlerin kürzlich äußerst kritisch, was die Bezüge von Managern anbelangt: "Wenn ich das Versagen von Spitzenkräften mit Phantasieabfindungen vergoldet sehe, dann sage ich: Das untergräbt das Vertrauen in das soziale Gleichgewicht unseres Landes."
Die Vorstände machen Millionen, fast egal, was mit Unternehmen und Arbeitsplätzen geschieht - und sie finden das gerecht. Der Aktienverkauf der Post war jüngst ein großer Coup für den Post-Chef - er jubelt in Folge des Mindestlohns bei der Konkurrenz. Die Top-Manager handeln ohne eigenes Risiko: Sie sind angestellt und abgesichert. Doch selbstständige Unternehmer wehren sich gegen die Vorwürfe der Politik, so auch Patrick Adenauer von der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer: "An der Kritik ist auf der einen Seite etwas Richtiges dran, wir kennen die Fälle alle, aber sie war mir zu pauschal. Denn die Mehrheit der deutschen Unternehmer ist selbstständig, arbeitet in Familienunternehmen, und bei denen gibt es diese Exzesse nicht."
Sein Einkommen sprengt alle Vorstellungen: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der in diesem Jahr geschätzte 60 Millionen verdient. Auch er ist fest angestellt, aber um die Firma vor der Pleite zu retten, soll er sein Privatvermögen riskiert haben. Fünfzehn Jahre später ist Porsche 25 Milliarden wert. Das Unternehmen beteiligt jeden Mitarbeiter mit 5200 Euro am Erfolg. Wiedeking ist das falsche Beispiel für die richtige Frage: Wie viel sind Top-Manager wirklich wert?

Nicht der Vorstand allein ist für den Erfolg eines Unternehmens verantwortlich, betont Ulrich Thielemann, Wirtschaftsethiker an der Schweizer Universität St. Gallen: "Viele Manager glauben offenbar, dass sie selbst die Milliarden an Wertschöpfung, an Gewinnen, erzielt hätten, und da ist es doch nur fair, wenn man davon ein paar Millionen abbekommt. Das ist natürlich eine groteske Vorstellung, weil die Wertschöpfung von allen Beschäftigten erwirkt wird, natürlich auch von den Mitarbeitern."
Doch sein Kollege Karl Homann, Wirtschaftsethiker an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, widerspricht ihm: "Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Wir müssen aufpassen, dass uns nicht passiert, was dem Bayern-München-Manager Uli Hoeneß passiert ist, der nämlich die angeblichen Phantasiepreise der Fußballspieler nicht mitmachen wollte, in der vorletzten Saison, und dann haben wir gesehen, was dabei herausgekommen ist: Der Verein ist auf den vierten Platz zurückgefallen und hat die Champions-League verpasst."
Fußballstars werden international gehandelt - deutsche Top-Manager aber so gut wie gar nicht: Kaum einer wechselt ins Ausland, die internationale Nachfrage ist gering. Dennoch sind die Verträge üppig und undurchsichtig, was die SPD nach Aussage ihres Parteivorsitzenden Kurt Beck nun ändern will: "Das, was an Zusatzgratifikation gezahlt wird, was an Aktienoptionen eingeräumt wird, dafür muss man erstens Transparenz haben, Offenheit, Durchsichtigkeit, und zum zweiten muss es dafür auch Regeln geben."
Die Wirtschaft kann es nicht regeln, sagt der Unternehmer Wolfgang Grupp. Der Geschäftsführer der Firma Trigema haftet für Fehler mit seinem gesamten Vermögen und fordert Vergleichbares auch für angestellte Manager: "Wenn er große Gewinne macht, dann kann er unbegrenzt verdienen, weil er dann auch unserer Gesellschaft viel Gutes tut und für die Firma viel Gutes tut, die Arbeitsplätze sichert und neue Arbeitsplätze schafft. Aber wenn er versagt und dafür andere Mitmenschen in die Arbeitslosigkeit gestürzt werden, dann kann es nicht sein, dass er dafür Millionen kassiert. Deshalb muss er in die persönliche Haftung und muss für das, was er tut, auch mit seinen Gehältern, seinen Bezügen haften."
Deutschlands Top-Manager kassierten 2006 zusammen 218 Millionen - und in diesem Jahr wird es vermutlich noch mehr. Viel Geld und wenig Risiko.