Experten sind sich einig: Kinder aus sozial schwächeren Elternhäusern haben schlechtere Bildungschancen. Doch woran liegt das? Kann das Zwei-Klassen-System in der Bildung noch aufgehalten werden? Mangelt es an Konzepten oder an der Umsetzung? Diskutieren Sie mit dem Soziologen Tino Bargel - heute, ab 19.30 Uhr!
Tino Bargel untersucht seit Jahren die Befindlichkeiten deutscher Studenten. Der Konstanzer Bildungsforscher leitete unter anderem eine von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Studie zum "Wandel politischer Orientierungen und gesellschaftlicher Werte der Studierenden". Im Rahmen der Untersuchungen kommt der Soziologe zu dem Ergebnis, dass die meisten Studenten heute politisch eher uninteressiert seien.
Im deutschen Bildungssystem sei der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Studienerfolg immer größer geworden, sagt Bargel im Berlin-direkt-Interview. Das bedeute, bei Kindern aus einem akademischen Elternhaus sei die Chance, dass sie später auch studierten, wesentlich größer als bei Kindern aus Arbeiterfamilien. Die Zahl der so genannten jugendlichen "Bildungsaufsteiger" sei in unserem Land viel zu gering, kritisiert der Forscher.

Viel wichtiger als das von der Bundesregierung geplante Stipendienprogramm sei deshalb das Bafög, weil dieses eine soziale Ausrichtung habe. Es ermögliche auch finanziell schwächer ausgestatteten Studenten die Aufnahme eines Studiums. Und in den letzten Jahren sei zu beobachten, so Bargel, dass die finanziellen Sorgen von Studenten enorm zugenommen hätten, wodurch auch die Studienqualität leide. Deshalb müsse auch beim Stipendienprogramm für Hochbegabte eine soziale Komponente eingebaut werden, mahnt der Soziologe, "das reine Leistungsprinzip wäre ungerecht".
Ein weiteres Problem unseres Bildungssystems ist nach Ansicht Bargels die viel zu schlechte Ausstattung von Universitäten und Schulen, insbesondere mit Lehrkräften. Der Soziologe zeigt daher Verständnis für die Proteste der Studenten, da etwa die Überfüllung an den Unis ein bleibendes Problem sei, was zu einer schlechteren Studienqualität führe. Doch trotz aller Mängel des Systems zeigt sich der Soziologe optimistisch: Es fehle in Deutschland nicht an guten Konzepten. Doch die Politik müsse endlich beginnen, diese auch energisch umzusetzen, so der Bildungsforscher.